Kurzchronik des TSV Gnodstadt 1906 e.V.


100 Jahre nach der Anlegung des ersten Turnplatzes durch Turnvater Jahn in der Berliner Hasenheide im Jahre 1811 wurde in Gnodstadt am 04.01.1906 von 21 Männern der Turnverein ins Leben gerufen. Auch wenn die Vereinsgründung in Gnodstadt erst ein knappes Jahrhundert nach den ersten Anfängen der Turnbewegung erfolgte, zählt Gnodstadt mit zu den ersten Landgemeinden seiner Größenordnung, die sich dieser damals populären Bewegung angeschlossen hat. 


Der erste am 04.01.1906 gewählte Vorstand war Wilhelm Scheck. Schon vom ersten Tage des Bestehens des Vereines ab wirkte Paulus Heerlein im Turnrat, wie die Vorstandschaft seinerzeit auch genannt wurde. Im ersten Jahr als Beisitzer, ab 1907 als zweiter Turnwart. Von ihm wurde der Verein über eine Generation lang bestimmend sportlich gestaltet. Er war die herausragende Persönlichkeit des Vereins von seiner Gründung an bis zu seinem Rücktritt und Ernennung zum Ehrenvorstand im Jahre 1949.


Von 1914 bis 1918 während des 1. Weltkrieges ruhte die Sporttätigkeit. 1933 gab es nach der sogenannten „Gleichschaltung“ keine Vorstandschaft mehr. Die Leitung blieb aber weiterhin in den Händen von Paulus Heerlein. Die Vereinstätigkeit ließ jedoch im Laufe der folgenden Jahre nach und endete mit Kriegsausbruch 1939 vollends.


1946 war nach 7 Jahren ruhender Vereinstätigkeit eine Art Neubeginn zu verzeichnen. Der Krieg hatte auch in die Reihen der Vereinsmitglieder tiefe Lücken geschlagen. Nachdem im Juni 1946 durch Dekret der amerikanischen Militärregierung in Ochsenfurt der Verein mit Wirkung vom 01.07.1946 als Sportverein neu zugelassen worden war, fand am 22.06.1946 bereits die erste Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen statt.

Turnerriege 1956 - TSV Gnodstadt

Es begann nun ein reges Vereinsleben mit einem erstaunlich vielseitigen Sportbetrieb. Neben Turnen wurden die Sportarten Handball für Mädchen und Männer, Faustball, Boxen, Gewichtheben und Leichtathletik betrieben. Bald beginnt sich auch in unserem Verein der Trend zum Fußball bemerkbar zu machen.


Schon 1950 wurde beschlossen, eine Fußballabteilung zu gründen. Doch dauerte es noch viele Jahre, bis eine Mannschaft an den Verbandsrundenspielen teilnehmen konnte. 1951 und 1952 konnte die Turnriege des Vereins große Erfolge verbuchen. 1952 wurde neben mehreren unterfränkischen Turnfesten auch das Landesturnfest in Augsburg besucht. Neben Siegfried Kopp als Bester aus Unterfranken mit einem 2. Preis konnte auch Hans Gebert eine Top-Platzierung heimbringen.


Das 50-jährige Bestehen des TSV Gnodstadt wurde 1956 groß gefeiert. Den Rahmen zum Jubelfest bildete das 38. Gauturnfest des Turngaues Kitzingen in Gnodstadt, verbunden mit der Weihe der neuen Vereinsfahne. Bei strahlendem Sonnenschein waren 300 Turnerinnen und Turner und über 2.000 Festgäste nach Gnodstadt gekommen.

1958 war es nach langen Mühen dem Fußballabteilungsleiter Fritz Zeptner gelungen, eine spielstarke Mannschaft auf die Beine zu stellen, die in die Verbandsrunde der C-Klasse Ochsenfurt aufgenommen wurde. Im Jahr 1959 war auch mit der Vergrößerung des Sportplatzes begonnen worden. Sie war für einen ordnungsgemäßen Fußballspielbetrieb längst erforderlich geworden und konnte nun in Angriff genommen werden, weil Fritz Zeptner seinen angrenzenden Acker hierfür zur Verfügung gestellt und die Firma L. Krämer der Einebnung des gesamten aufgelassenen Steinbruchs zugestimmt hatte. Einfach waren die Arbeiten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht. Riesige Sandsteinquader kamen ans Tageslicht und mussten mit Handkompressoren zerkleinert werden. Nach 11 Tagen war die größte Arbeit geschafft.


Bleiben wir noch im Jahr 1959. In diesem Jahr konnte die Faustballmannschaft ihren bisher größten Erfolg verbuchen. Sie wurde Kreismeister und schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse. Spielorte waren nun Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt. 1963 brachte das Ende der in den vorangegangenen Jahren so erfolgreichen und stolzen Turnabteilung des Vereines.


Auch die Faustballabteilung löste sich mangels Interesse auf, konnte aber 2 Jahre später, angeregt und angeführt von dem nach Gnodstadt gekommenen Lehrer Walter Küfner, wieder ins Leben gerufen werden. Der Fußballsport dagegen wurde immer beliebter. Ab Mai 1964 konnte die 1. Jugendmannschaft unter Leitung von Erich Hübner an den Verbandsspielen teilnehmen. Nach elfjähriger Zugehörigkeit zur C-Klasse schaffte die erste Mannschaft 1969 den Aufstieg in die B-Klasse.


1973 begann ein neuer Abschnitt im Gnodstadter Vereinsleben, insbesondere aber für den Turn- und Sportverein. Durch die anhängige Flurbereinigung bot sich die Gelegenheit, ein gemeindeeigenes Sportgelände zu schaffen, da ja der bisherige Sportplatz – wenn auch langfristig verpachtet – Eigentum der Firma L. Krämer in Ochsenfurt war.

TSV Gnodstadt - Sportheimbau 1978

Dem aufgeschlossenen Gemeinderat gelang es im Zusammenwirken mit der Flurbereinigungsvorstandschaft ein weiträumiges Sportgelände zu realisieren. Da nun genügend Platz vorhanden war, konnte man auch an die Verwirklichung des alten Traumes, nämlich ein eigenes Sport- und Vereinsheim zu errichten, denken. Nach den ersten Verhandlungen 1973 stellte der 1. Vorstand Ludwig Emmert in der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13.02.1977 den genehmigten Bauplan für das Jugend- und Vereinsheim, wie die offizielle Bezeichnung lautet, den Mitgliedern vor. Die Baukosten waren auf 283.000 DM veranschlagt.

Durch ungemein große Eigenleistungen vieler Mitglieder war es unter der Federführung des unvergessenen Machers Fritz Rückert möglich geworden, das Werk bei nur 30.000 DM Eigenkapital und zur Zeit des Baubeginns mit den Förderbeträgen des BLSV und der Gemeinde ohne übermäßige Darlehensaufnahme fertigzustellen.


Am 14. und 15.07.1979 fand dann, nachdem ein Jahr vorher die Inbetriebnahme des Sportplatzes mit Festgottesdienst und Fußballturnier gefeiert worden war, die Einweihung des Jugend- und Vereinsheimes statt. Ein von Pfarrer Burkard Schneider gehaltener Festgottesdienst auf dem Platz vor dem neu errichteten Heim war einer der Höhepunkte der Einweihungsfeierlichkeiten. Um den Unterhalt des Sportheimes zu finanzieren, den Sportbetrieb aufrecht zu erhalten und das Darlehen abzutragen, waren und sind auch heute noch zahlreiche Veranstaltungen erforderlich, die aber wieder nur unter tatkräftiger Mithilfe der Mitglieder durchgeführt werden können.


Der traditionelle Maskenball, der Kinderfasching und später auch die Bunten Abende konnten nun im Sportheim stattfinden. Auch Kirchweihtanz, Preisschafkopf und die Weihnachtsfeier sind regelmäßige Veranstaltungen im Sportheim. Das Jubiläum zum 75. Geburtstag des TSV Gnodstadt wurde mit einer Sportwoche vom 13. bis 21.06.1981 gefeiert.


Schon bald hatte man erkannt, dass der Gymnastiksaal mit seinen Maßen von 12 x 12 Metern für die sportlichen Übungen, aber auch für die Veranstaltungen zu klein ist und man plante einen Anbau von 6 Metern, so dass der Raum hier von 12 x 18 Metern zur Verfügung steht. Die Kosten wurden mit 62.000 DM veranschlagt. Im August 1983 wurde mit dem Anbau begonnen und im Frühjahr 1984 konnte der Saal wieder für Sportbetrieb und für Veranstaltungen genutzt werden.

Gleichzeitig konnte im Untergeschoß eine geräumige Wohnung für einen Hausmeister errichtet werden. Im Jahr 2006, passend zum 100-jährigen Geburtstag des TSV Gnodstadt, der mit einer Sportwoche vom 14. bis 23. Juli gefeiert wurde, bekam der TSV die höchste Auszeichnung des BFV die „Goldene Raute“. So war der TSV Gnodstadt einer der ersten Vereine in Unterfranken der diese Auszeichnung erhielt. Eine Auszeichnung auf die, die Verantwortlichen und auch die Mitglieder des TSV berechtigt stolz sein können.


In den letzten 25 Jahren wurden umfangreiche Umbau-und Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Zur Rasenbewässerung wurde ein Brunnen gebohrt, das Sportheim bekam einen neuen Anstrich, das Dach musste erneuert und gedämmt werden und eine Photovoltaikanlage wurde installiert. Im Jahr 2015 wurden die Ballfangzäune erneuert und im Jahr 2016 der Zugangsbereich neu gepflastert und gestaltet. Im Innenbereich stand die Renovierung von Toiletten, der Duschräume und im letzten Jahr der Getränkekühlraum auf dem Programm.

Der Mitgliederstand veränderte sich erheblich mit dem Sportangebot.
Hatte der TSV zur Zeit des Sportheimbaues noch 195 Mitglieder, so sind es zum heutigen Tag ca. 641 Mitglieder.

TSV Gnodstadt - Pflasterarbeiten 2016

Heute bietet der TSV folgende Sportmöglichkeiten an:
Kinderturnen, bis in den Jugendbereich, Eltern und Kind-Turnen, Gymnastik, Tanz und Spiel für Kinder, Gymnastik von Jugendlichen bis zu den Senioren, Wirbelsäulengymnastik, Muskelaufbautraining, Aerobic-Stepp-Workout, Flexxumba, Pilates, Radsport mit zwei Leistungsklassen, Jugendfußball in Spielgemeinschaften, erste und zweite Mannschaft im Punktspielbetrieb.

TSV Gnodstadt - Verleihung Goldene Raute

Am Festabend zum 110-jährigen Bestehen des TSV Gnodstadt am 12. März 2016 wurde dem TSV zum wiederholten Mal die zurzeit höchste Auszeichnung des Bayerischen Fußballverbandes, die „Goldene Raute mit Ähre“ verliehen.


110 Jahre Turn- und Sportverein Gnodstadt heißt nicht nur 110 Jahre Bestehen des Vereines, es heißt auch 110 Jahre hartes Training, Engagement, Arbeit, Einsatz und viel Idealismus für die Sache des Sports, sowohl für die Aktiven als auch für diejenigen, die den Verein leiten oder eine Funktion im TSV ausüben.


Dass der Verein in seinem 110-jährigen Bestehen Männer, Frauen und Jugendliche mit diesen Eigenschaften immer in ausreichender Zahl zur Verfügung hatte, zeugt von einem ungebrochenen Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Überzeugung, dass Pflege und Förderung von Sport in den Vereinen für körperliche und seelische Gesundheit von großer Bedeutung sind und darüber hinaus vor allem das Gemeinschaftsbewusstsein fördern, möge weiterhin in uns allen wach bleiben und auch in den folgenden Generationen weiterleben.

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